Interview

Karsten Eisenhardt absolvierte alle wichtigen Stationen einer Mühlen-Karriere. Nach seiner Ausbildung zum Verfahrenstechnologen in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft legte er die Prüfungen zum staatlich geprüften Techniker an der Deutschen Müllerschule Braunschweig (DMSB) und zum Müllermeister ab. Seit 2007 ist er Bachelor of Sciences (B.Sc.) in Lebensmitteltechnologie und absolviert derzeit ein Masterstudium. Mit Karsten Eisenhardt sprach mueller-in.de über den Beruf, Karrierechancen und Frauen in der Müllerei.


mueller-in.de:
Karsten, wie bist du auf die Idee gekommen, in die Mühlenbranche einzusteigen?

Karsten Eisenhardt: Ich bin in einer Müllerfamilie groß geworden und daher schon früh mit dem Beruf in Berührung gekommen. Die Umwandlung, die Aufbereitung und die so genannte Veredelung von verschiedenen Rohstoffen zu unterschiedlichsten Endprodukten verschaffen einem Müller viele interessante Einsatzmöglichkeiten. Für mich als technikbegeistertem Menschen war es besonders wichtig, mit vielen unterschiedlichen Maschinen arbeiten zu können.

Was waren die Einstellungsvoraussetzungen bei der Ausbildung?

Wichtig waren sicherlich meine persönlichen Interessen und mein Engagement bei der Ausbildungsplatzsuche. Ich habe mich damals initiativ beworben. Auch meine guten fachlichen Vorkenntnisse waren sicherlich hilfreich.

Was genau macht ein Müller denn so den ganzen Tag?

Als Müller/in hat man sehr viel Unterschiedliches zu tun: Man wählt Rohstoffe aus, überwacht die Qualität der Produkte sowie Maschinen und Anlagen. Moderne Müllerinnen und Müller nehmen Getreideproben und führen Analysen durch. Sie steuern die Produktionsprozesse mit Computern und führen auch kleinere Reparaturen durch. Außerdem sind sie bei den Abläufen von Anfang an dabei:  Planung, Annahme, Lagerung, Reinigung, Verarbeitung, Verpackung und Qualitätskontrolle liegen in ihrer Verantwortung.

Was hat dir an deiner Ausbildung am meisten gefallen?

Ich habe in einem Kraftfutterwerk gelernt. Hier werden viele unterschiedliche Rohstoffe zu Tierfutter, zum Beispiel für Kühe, verarbeitet. Die Müllerinnen und Müller haben die Aufgabe, Produkte mit gleich bleibender Qualität herzustellen. Das stellt einen immer wieder vor neue Herausforderungen. Besonderen Spaß hat mir der Umgang mit großen Anlagen und Maschinen gemacht. Das breite Tätigkeitsfeld, die Übernahme von verantwortungsvollen Aufgaben und das Arbeiten in einem super Team waren ebenfalls etwas Besonderes.

Du schreibst zurzeit an deiner Masterarbeit. Was hat dich dazu bewogen, dich nach deiner Ausbildung weiter zu qualifizieren?

Nach meiner Ausbildung habe ich an der DMSB zunächst eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker in der Fachrichtung Mühlenbau, Getreide- und Futtermitteltechnik gemacht. Schon während der Ausbildung war ich so von dem Beruf begeistert, dass ich mich nach weiteren Qualifizierungsmöglichkeiten umgesehen habe. Die Meisterschule habe ich zeitgleich absolviert. Meine Beweggründe fürs Hochschulstudium: Neben dem fachpraktischen wollte ich gern mehr theoretisches Wissen erwerben, wobei mich nicht nur die klassische Müllerei, sondern auch andere Lebensmittelbereiche interessiert haben. Durch die weitere Qualifizierung wollte ich meine beruflichen Perspektiven verbessern.

Was hast du vor, wenn du dein Studium abgeschlossen hast?

Auf jeden Fall möchte ich in einem Bereich arbeiten, in dem ich meine praktischen Kenntnisse und Erfahrungen nutzen kann. Dies muss nicht unbedingt im Bereich der klassischen Müllerei sein. Ob ich im wissenschaftlichen Bereich oder in der Industrie tätig sein werde, ist noch offen.

Warum möchtest du den Beruf des Müllers anderen empfehlen?

Der Beruf ist attraktiv. Man kann mit dem Abschluss in sehr vielen unterschiedlichen Bereichen arbeiten, zum Beispiel in der klassischen Müllerei (Mehlherstellung), in der Herstellung von Futtermitteln, Frühstückscerealien, Tee oder Pflanzenöl. Auch Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau stellen Müllerinnen und Müller ein. Wenn man örtlich flexibel ist, hat man sehr gute Berufsaussichten, was die Anstellung nach der Ausbildung angeht. Die Branche und damit die Jobs sind krisensicher und die Perspektiven gut.

Oft hört man, Müller sei ein typischer „Männerberuf“? Siehst du das auch so?

Sicher nicht! Wenn man betrachtet, wie wenig Frauen den Beruf ausüben, könnte man zwar auf diese Idee kommen. Aber ich denke, dass ein höherer Frauenanteil möglich ist und dem Berufsbild gut tun würde.

Was ist das Besondere daran, in einer Mühle zu arbeiten?

Der Beruf an sich ist schon was Besonderes, da ihn viele Leute gar nicht kennen. Wenn ich erzähle, dass ich Müller gelernt habe, werde ich oft gefragt „Das gibt es noch?“. Die stellen sich dann einen Müller mit Mütze und Sack auf dem Rücken in einer Windmühle vor. Doch heutzutage arbeiten Müllerinnen und Müller mit moderner Computertechnik und neuesten Maschinen.

Zum Schluss möchten wir dich um den ultimativen Tipp für alle Mühlen-Interessierten bitten!

Wenn man sich dafür interessiert, sollte man sich eine moderne Mühle von innen anschauen. Man kann zum Beispiel bei einem Betrieb in der Nähe nach Besichtigungen fragen. Historische Mühlen sind zwar interessant, vermitteln aber keinen Eindruck von den Tätigkeiten eines Müllers von heute. Jungen Leuten, die sich für den Beruf Müller interessieren und ihn kennen lernen möchten, empfehle ich ein Praktikum.

Karsten, vielen Dank für das Gespräch!

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